Was ist das Besondere an Improvisationstheater in der Therapie?
Improvisationstheater bietet einen spielerischen Prozess in einem geschützten Rahmen, in dem wesentliche Erfolgsfaktoren von Therapien trainiert werden können.
Das Besondere am Improvisieren ist, dass es spielerisch eine positive Selbst- und Situations-Erfahrung ermöglicht. Improvisation beruht darauf, aus den Impulsen, die gerade da sind, etwas zu machen und zu erleben, wie durch Zusammenspiel Ideenströme in einen Fluss kommen und im Fluss bleiben.
Rollen- und Perspektivwechsel können in einem geschützten Spiel-Raum ausprobiert werden. Die Teilnehmenden begegnen sich selbst auf positive Weise und lernen neue Seiten an sich kennen. Improvisation trainiert und öffnet Zugänge zu sich selbst.
Zugleich ist Raum, Emotionen zuzulassen und bewusst Emotionen auszuprobieren.
Im Unterschied zu anderen Therapieformen wie zum Beispiel Psychodrama setzt therapeutische Improvisation auf ein Spiel mit fiktionalen Szenen und Situationen. Patient:innen beschreiben es als ungeheuer befreiend und wohltuend in ansonsten problemfokussierten Settings dadurch Leichtigkeit zu erfahren, lachen zu können. Gerade weil sie sich in fiktionalen Geschichten bewegen, bringen sie den Mut auf, Neues auszuprobieren und das eigene Handlungs- und Verhaltensspektrum zu erweitern.
Damit unterstützt Improvisationstheater in zentralen Punkten den Therapieerfolg bei Menschen, die sich in Therapie begeben haben.
Dies gilt insbesondere für Menschen, die mit den Folgen mangelnder Selbstliebe ringen, mit Overthinking, Depression und Selbstabwertung, mit Essstörungen, Dissoziierungen, sowie allgemein selbstschädigenden Verhalten.
Damit therapeutische Interventionen wirksam werden können, brauchen gerade solche Patient*innen häufig vor allem erst einmal die Akzeptanz dessen, was individuell hinter den Erscheinungsformen ihrer psychischen Erkrankung steckt – und was die Folgen davon sind.
In der Praxis erlebe ich, dass das Trainieren und spielerische Erleben solcher Akzeptanz durch Improvisation Therapien verkürzen und Therapieerfolge beschleunigen kann.
Patient:innen können positiv erleben, dass oftmals gerade Fehler die wunderbarste Quelle inspirierender Improvisationen sind. So kann die negative Bewertung von Fehlern und Persönlichkeitsmerkmalen abgemildert werden, Selbstliebe erhält einen Raum.
Meine persönliche Erfahrung ist, dass oftmals gerade die Patient*innen am meisten profitieren, die zunächst den größten Widerstand gegen, bzw. die größten Ängste bezogen auf diese ungewohnte Welt des Improvisierens mitbringen.

Wer setzt therapeutisches Improvisationstheater ein?
# Tageskliniken
# stationäre psychotherapeutische und psychiatrische Kliniken
# psychotherapeutische Anlaufstellen
# Selbsthilfegruppen
Ich selbst arbeite derzeit in verschiedenen Tageskliniken.

Warum ist Improvisationstheater therapeutisch erfolgreich?
Improvisationstheater bietet einen spielerischen Prozess in einem geschützten Rahmen, in dem wesentliche Erfolgsfaktoren von Therapien trainiert werden:
# Eigene Emotionen zulassen, erleben und trainieren
# Zugang zum glücklichen Kind erleben und trainieren
# Bewertungsfreies Annehmen im Hier und Jetzt erleben und trainieren
# sich durch die Situation verändern lassen
# die eigene Gestaltungsfähigkeit erleben
# Lösungen auf der Basis des Hier und Jetzt entwickeln
# Spielerisches Erleben und Trainieren von neuen Verhaltensstrategien
# mit Anderen in Verbindung treten und dies als angenehm und unterstützen erleben
# Positives Erleben der eigenen Person im Zusammenwirken mit Anderen
# Stolz auf eigene Leistungen erleben
# Akzeptanz für die eigenen Fehler und Defizite erleben und trainieren
# Leichtigkeit erleben
# Stolz auf das Ergebnis sein
# Lachen können und dürfen

Wer sind die Teilnehmenden?
Teilnehmend sind Menschen in psychotherapeutischen und psychiatrischen Einrichtungen - nach Maßgabe des/der behandelnden Psychiater*in oder Therapeut*in.

Wie geht therapeutisches Improvisationstheater vor?
Im Zentrum stehen die Bedürfnisse der Teilnehmenden und ihre Wünsche an die jeweilige Einheit.
Jede Einheit ist anders.
Therapeutisches Improvisationstheater gestaltet einen Prozess aus:
# Transparenz über die tagesaktuelle Befindlichkeit der Teilnehmenden
# Transparenz über die tagesaktuelle Dynamik in der Gruppe
# Gestaltung der jeweiligen Einheit auf Basis der Tagesform
# Durchführung in einer Mischung aus Übungen, rein spielerischen Elementen, anlassbezogenen Rollenspielen, therapeutisch orientierten Interventionen
# Einbettung der Interventionen und Übungen in einen fortlaufenden Prozess aus Gespräch, Hinterfragen, Klären, Ermutigen, Unterstützen, Auspropieren, Erfahrungen machen, Transfer herstellen
# Abschluss der Einheit mit Transparenz über den aktuellen emotionalen Status, das Erleben der Einheit, konkreten Praxisvorhaben

Welche Elemente setzt therapeutisches Improvisationstheater ein?
# Übungen zum Erden und Ankommen
# Übungen zum Kontakt mit dem eigenen Körper
# Wahrnehmungsübungen
# Übungen zum Öffnen der eigenen Denk- und Assoziationsräume
# Übungen zu Blickkontakt, Signale senden, Signale empfangen
# Übungen zum Spiel mit Emotionen
# Übungen zum Verbinden mit Anderen
# Übungen zum Erleben von Flow
# Übungen zum vertrauensvollen Führen Anderer/ zum vertrauensvoll geführt Werden
# Offene Improvisationsszenen
# Angeleitete Improvisationsszenen
# Szenen mit bewusstem Einsatz von Emotionen
# Szenen mit bewusster Veränderung von Emotionen
# Szenen mit Rollenwechseln
# Rollenspiele zu Fragestellungen von Teilnehmenden
# Körperübungen
# Atemübungen
# Stimmübungen
# Sprechübungen
# Bodypercussion
# Übungen aus anderen therapeutischen Verfahren
# Reflexionen des jeweils Erlebten
# Transfer in den Alltag
